Ein paar Worte zur Lage

By | 5. Februar 2016

Der folgende Text ist mir ein persönliches Anliegen. Ich habe ihn geschrieben, weil ich ein sehr ungutes Gefühl dabei habe, wie sich die Dinge entwickeln in diesem Land.

Ja, wir haben erhebliche Probleme damit, dass sehr viele Menschen aus einer uns recht fremden Kultur beabsichtigen unser Land zu bevölkern. Für die einen ist es ein Problem der zu hohen Ausgaben, für die anderen eines des scheinbaren Unwillens zur Integration, für wieder andere lautet das Problem schlicht und einfach „Islam“. Es ist aber ein europäisches Problem und ich sehe darin eine gewaltige Chance für die EU, zusammenzuwachsen und die Zusammenarbeit auf ein neues Level zu heben. Zur Zeit funktioniert das aber ganz und gar nicht.

Wohin mit den Flüchtlingen?

Die Antwort darauf kann nur sein, dass sie gleichmäßig auf die gesamte Union verteilt werden müssen. Momentan haben wir das Problem, dass ein Asylantrag für jenes Land gilt, für das er gestellt wurde. Würde man EU weit Anträge als europäische Behandeln, mit einer europäischen Koordination, wäre es möglich die Menschen auch in der ganzen Union unterzubringen – unabhängig davon in welchem Land bzw. für welches Land der Antrag gestellt wurde. Wir müssen den Menschen helfen, wenn sie in ihrem Land um ihr Leben fürchten müssen, wir können ihnen aber auf Dauer nicht erlauben, sich das Land in dem sie diesen Schutz bekommen auszusuchen. Machen wir das dennoch, sieht sich die Bevölkerung überfahren und reagiert mit Wut und Hass.

Die Destabilisierung der Länder bzw. der Zwist in der Union, die wir bis zu einem gewissen Grad bereits erleben, ist übrigens genau das, was jene Kräfte, die die Ursache für das Fliehen so vieler Menschen sind, wollen.

Gefährdet die Situation unser Land?

Ja, aber nicht weil Flüchtlinge sich nicht an Gesetze halten, sondern weil es wieder schick ist lautstark wütend zu sein. Gesetzesübertretungen könnte auch ohne tiefgreifende Veränderungen begegnet werden – die Dynamik, die sich gerade entwickelt geht aber in eine andere Richtung. Stellen Sie sich eine Situation vor, bei der jeder Schritt überwacht wird, Ihre Posts auf Facebook kontrolliert werden (teilweise haben wir das schon), Sie sich rechtfertigen müssen, weil jemand anderes über Sie etwas behauptet. Ihre Mails werden gelesen und Ihr Arbeitgeber erfährt über alles, was Sie in Ihrer Freizeit machen. Nicht in Österreich? Noch nicht.

Österreich entwickelt sich zur Zeit nicht zu einer freundlichen verschworenen Gemeinschaft heimatliebender Menschen sondern zu einer aufgestachelten Menge. Der Zeigefinger wird erhoben und auf andere gerichtet. Es ist gut seiner Unzufriedenheit Luft zu machen – da spricht nichts dagegen, es ist aber der Ton der die Musik macht.

Wir müssen uns eines bewusst werden – wenn wir nach mehr Kontrolle rufen (was zwingend der Fall ist, wenn wir lauthals mehr Sicherheit verlangen), schränken wir auch unsere persönliche Freiheit ein. Wir können dann wieder sagen, schuld daran sind die Flüchtlinge oder Politiker XY, das Problem wird aber nicht gelöst, wenn wir lediglich einen für uns passenden Schuldigen nennen. Das Bankgeheimnis z.B. ist gerade dabei sich zu verabschieden, die Registrierkassenpflicht sorgt nicht nur für eine wahre Papierflut sondern auch dafür, dass jeder Bürger stärker kontrolliert werden kann. Das hat nichts mit den Flüchtlingen zu tun? Richtig – aber es sind Maßnahmen die der stärkeren Kontrolle dienen. Dieses Land hat sehr lange Zeit unter Denunzianten gelitten – wir sind nicht so weit weg davon, dass das wieder geschieht. Denken Sie an sich formierende Bürgerwehren. Denken Sie an Schlagzeilen, deren einziges Ziel es ist die Menschen zu erschrecken mit Berichten aus fragwürdigen Quellen. Denken Sie auch an Datensammlung und damit einhergehende Verknüpfung. Denken Sie an Lokale, die Aushänge anbringen, wer nicht erwünscht ist – ob dies nun Migranten oder Politiker sind, spielt dabei nicht wirklich eine Rolle. Denken Sie auch noch einmal an Köln – Zensur (auch wenn das keine Zensur, sondern eher ein ruhig halten war)  in den Nachrichten darf nicht sein, egal von welcher Seite.

Wir können nichts tun?

Absolut falsch. Wir können. Wir haben nicht nur zu Wahlzeiten eine Stimme:

  • Nehmen Sie einen Stift und Papier oder öffnen sie ihr Mailprogramm. Schreiben Sie an unsere Regierung in den Ländern und im Bund. Führen Sie Missstände auf und stellen Sie Fragen. Es wird sich jemand damit auseinandersetzen müssen. Bleiben Sie sachlich, dann werden Sie auch ernst genommen. Richten Sie Ihr Schreiben am besten an alle Parteien, dann kann keiner sagen, er oder sie hätte nichts davon gewusst.
  • Klagen Sie nicht haltlos an – wenn Sie ein Problem mit z.B. Herrn Faymann, Herrn Mitterlehner, Herrn Strache oder Frau Glawischnig haben, sagen Sie es denen, aber begründen Sie Ihre Anschuldigung.
  • Teilen Sie allen Datensammlern mit, dass Ihre Daten nicht gespeichert werden sollen. Einige davon müssen dies zwar tun auf Grund gesetzlicher Vorschriften, es schadet aber nicht es auch denen mitzuteilen.
  • Hinterfragen Sie Meldungen und wenn Sie an einer Aussage zweifeln, fragen Sie nach – am besten wieder schriftlich (und ich spreche nicht von Facebook). Wenn ich alleine daran denke, wie oft ich in sozialen Netzwerken gelesen habe, dass Flüchtlinge  bei Ankunft in Österreich ein Smartphone und 2000 € bekommen – das ist Schwachsinn. Wir sind mündige Bürger und sollten solchen Meldungen nachgehen, wenn wir sie nicht sang und klanglos verdauen möchten.
  • Informieren Sie sich umfassend – Sie haben das Recht auf Ihre Meinung, es ist aber nur dann Ihre Meinung, wenn Sie auf umfassender Information basiert. Sonst ist es die Meinung von Boulevardblatt A, Politiker B. oder Journalist C.

Es ist an der Zeit – aber nicht an der Zeit wütend zu sein, sondern als mündige Bürger zu hinterfragen. Ich zitiere Kennedy nur ungern, aber wir können tatsächlich etwas für unser Land tun, wenn wir nicht die Hände in den Schoß legen und darauf warten, was es denn für uns tut. Gemeinsam sind wir viele – gemeinsam können wir auch unserem Land helfen. Wir können auch auf die Wahl warten und dann mächtig austeilen – ob das allerdings eine gute Wahl wäre, sei dahingestellt. Die Wut im Bauch ist ein sehr schlechter Berater und sie öffnet radikalen Kräften Tür und Tor. Vertrauen Sie nicht Ihrem Bauch, hören Sie auf die leisen Warnungen in Ihrem Kopf.