Was mich wirklich stört an der ganzen Corona Sache?

By | 9. März 2021

Diesen Beitrag hier zu schreiben fällt mir nicht ganz leicht. Nicht, weil er nicht meiner Überzeugung entspricht, ganz im Gegenteil – es geht eher darum, an wen ich mich wende. Ihr seid langjährige Bekannte, Freunde und generell Menschen, von denen ich dachte ich kenne sie. Meine Mutter fragte mich neulich, was mit dem Land los ist – schön langsam verstehe ich es auch nicht mehr. Seht ihr, wem ihr da den Weg ebnet? Begreift ihr eigentlich, welcher Gefahr ihr das ganze Land aussetzt? Warum schreibt, postet und brüllt ihr teilweise sogar herum, was ihr eben so von euch gebt. Hier ein paar dieser Sätze:

Es ist genug

Der ist harmlos und kommt schnell über die Lippen – wenn man sich ihm folgend verhält, wird er aber schlimm. Ja, wir haben alle genug von Maßnahmen, von Einschränkungen usw. – das ist dem Virus aber völlig egal. Nur weil wir sagen „es ist genug“, bedeutet nicht, dass wir auch genug Intensivbetten in den Krankenhäusern haben. Hier eine kleine Ausführung dazu:

Insgesamt gibt es ca. 2.500 Betten (vgl. http://www.kaz.bmgf.gv.at/ressourcen-inanspruchnahme/betten.html). Das mag viel klingen, es ist aber nicht so, dass die alle leer sind und auf Corona PatientInnen warten. Aktuell sind mit heutigem Tag (8.3.2021) laut AGES Dashboard (https://covid19-dashboard.ages.at/dashboard_Hosp.html) 317 Personen auf Intensivstationen, noch verfügbar sind 565 Intensivbetten. Würde man nun die Maßnahmen herunterfahren, bis diese ausgeschöpft sind, stünde Österreich vor einem medizinischen Supergau, da Menschen – egal was sie haben, nicht mehr intensivmedizinisch betreut werden können.

Ihr fragt „Ja warum hat denn die Regierung / der Kurz / die Merkel / der Macron / …beliebiges Staatsoberhautpt (nicht zutreffende, bitte einfach streichen), nicht mehr Betten angeschafft im Sommer, als es relativ ruhig war?“. Die Antwort darauf ist einfach – die Betten alleine sind es nicht. Damit die funktionieren braucht es ausgebildetes medizinisches Personal für die Intensivmedizin – und das bildet man nicht eben mal schnell in ein paar Monaten aus.

Auch wenn ihr genug habt, haben wir noch nicht genug Betten. Mit jeder Menschenansammlung, in der auf jegliche Maßnahmen gepfiffen wird, kommt ein weiterer Schwung Intensivpatienten für die Krankenhäuser – VIELEN DANK! Jetzt mit „es ist genug“ zu argumentieren ist in etwa so, als würden wir gemeinsam ans Ufer schwimmen und dann 100 Meter vor dem Strand aufhören uns zu bewegen – wahrscheinlich würden nicht alle ertrinken…..

Die Maßnahmen sind überzogen / Ist doch eh nur eine Grippe

Und genau das ist falsch. Die Grippe ist zweifelsohne gefährlich, kostet Menschenleben und stellt eine Bedrohung dar, ABER folgende Unterschiede sind nicht wegzuleugnen:

Dies sind nur ein paar Beispiele. Ohne Maßnahmen, wäre es zwingend erforderlich, in Kauf zu nehmen, dass viele Menschen sterben. Die Argumente „Sterben müssen wir alle einmal“, oder „die Alten wären sowieso bald gestorben“ habe ich bisher immer kommentarlos hingenommen – ich kann einfach kaum kommentieren, wenn ich kotzen muss. Die wirtschaftlichen Folgen werden enorm, das steht außer Frage – ein Zusammenbruch des Gesundheitssystems wäre schlimmer – niemand verhungert in Österreich.

Die Sterblichkeit war im Jahr 2020 deutlich höher als in den Jahren zuvor – das kann man nicht wegleugnen (vgl. http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/gesundheit/todesursachen/index.html).

Wir leben in einer Diktatur

Alleine diese Aussage ist ein Schlag ins Gesicht der Menschen in Weißrussland, ein Hohn für die Einwohner von Myanmar und ganz sicher könnten euch die Einwohner von Nordkorea und vielen anderen Ländern auch etwas über Diktaturen erzählen. Ich empfehle dorthin einen Urlaub zu buchen – die freuen sich über Gastdemonstranten. Scherz beiseite – ihr seid in keiner Diktatur. Alleine der Fakt, dass ihr auf die Straße gehen könnt, diesen Bullshit behaupten und dann wieder nach Hause um euch vor Netflix & Co. über die Einschränkungen zu ärgern, beweist, dass hier alles andere als eine Diktatur herrscht. Ich muss das nicht erklären, ihr wisst das alle – ihr lest gerade im freien Internet. Noch ekelhafter sind dann die Vergleiche mit der NS Zeit. Ein paar Kriegs- und Nachkriegskinder, sowie Überlebende gibt es noch – sprecht mit ihnen und ihr wisst, was ich meine. Uneingeschränkte Macht der Regierenden ist eines der wesentlichsten Zeichen einer Diktatur (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Diktatur) – und die hat in diesem Land niemand.

Die Regierung / Kurz / Merkel / Macron / …beliebiges Staatsoberhautpt muss weg

Wer schreit, dass einer weg muss, sollte auch schreien, wen er oder sie gerne dort hätte. Die aktuell in den Regierungen befindlichen Personen und Gruppen sind nicht in einer glücklichen Situation, die es ihnen ermöglicht ihre oftmals unterstellte „Machtgeilheit“auszuüben, sondern stehen vor einer Krise. Niemand hat Coronazahlen nach oben korrigiert – es gibt Fälle in denen vermutet wird, dass sie nach unten geschönt wurden, um die Verantwortlichen besser dastehen zu lassen. Wikipedia hat z.B. einen ganzen Artikel darüber, wie die Sache in den USA abgelaufen ist: https://en.wikipedia.org/wiki/COVID-19_misinformation_by_the_United_States

Die Regierung muss also weg? Fein – die anderen bringen sich schon in Stellung. Jene, die die Sorge und die Angst der Menschen wirklich ausnutzen, die versuchen ihre Wählerschaft neu zu entdecken unter all jenen, die an den Maßnahmen und am System zweifeln. Ja, es ist viel leichter den Menschen eine Person als Schuldigen zu präsentieren – unser Feind ist aber der Virus, nicht jene, die versuchen ihm habhaft zu werden. Es spielt aktuell überhaupt keine Rolle in welches Land man blickt, die Regierungen sind überall der selben Kritik ausgesetzt. Würden wir heute keine Maßnahmen haben, wären die Menschen auf der Straße um die Todesfälle zu beklagen. Die Opposition und ein paar Medien tun das ihre dazu – Hass ist eure Attitüde…

Verschwörungstheorien

Ich weiß, es ist sinnlos das hier zu schreiben, weil die, die an die Verschwörungen glauben, nichts anderes glauben – aber vielleicht denkt einer oder eine noch einmal drüber nach.

Da gibt es das Gerücht, dass Menschen Geld oder irgendeine andere Zuwendung angeboten würde, wenn sie sich bereit erklären zu behaupten, ein Angehöriger sei an Corona verstorben. Das ist kompletter Blödsinn, schon alleine dashalb, weil die Angehörigen die Todesursache nicht feststellen oder ihr zustimmen müssen. Das macht der Amtsarzt, und was immer der in den Totenschein schreibt, das gilt.

Muss ich die Impf-Chip-Bill-Gates-Story erwähnen? Nein, Bill Gates macht euch nicht per Impfung unfruchtbar oder ortet euch dann oder versucht sich in Gedankenkontrolle. Ganz nebenbei, wenn Bill Gates oder jemand anderer eine Spritze erfunden hätte, die mit einer Injektion unfruchtbar macht, wäre das in vielen Ländern ein wahrer Bestseller.

Alles was mit Trump zu tun hat bzw. aus dem QAnon Eck kommt – vergesst es.

Ganz toll sind noch die Reichsbürger, die auch irgendwen verhaften wollen wegen der ganzen Corona-Angelegenheit.

Testgegner – sorry, das kann ich gar nicht verstehen – ich habe etliche Tests hinter mir.

Impfgegner bzw. Impfpflichtgegner – es gibt keine Impfpflicht, und wenn ihr euch nicht impfen lassen wollt, bitte dann lasst es. Hier Symbole und Themen der NS Zeit als Vergleich heranzuziehen erscheint mir absolut fehl am Platz und äußerst geschmacklos. Übel wird es wenn dann noch Dinge verbreitet werden wie – ich zitiere „Der Impfstoff wird jeden töten – unabdingbar!!! Wenn ich den Virus erhalte und mich nicht impfen lasse, werde ich überleben.“ Das stammt aus einem Telegram Channel, an dem mich einer meiner Kontakte ungefragt teilhaben lässt und wurde angeblich von einer gewissen Dr. Sherry Tenpenny gepostet. Tenpenny ist eine bekannte Impfgegnerin, die die widerlegte These vertritt, dass Impfungen Autismus verursachen (vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Sherri_Tenpenny). Die Verbreitung eines solchen Schwachsinns sollte eigentlich Folgen haben – momentan hat sie das aber nicht… sagte ich schon, dass wir eben nicht in einer Diktatur leben?

Und wenn ihr an die flache Erde, Chemtrails oder sonst etwas glaubt und euch einer der oben genannten Ideen zuordnen könnt, tut euch bloß keinen Zwang an.

Demonstrationen & Leugner

Ich bin mit vielen Dingen die aktuell verordnet werden in dieser Form überhaupt nicht zufrieden und ich äußere das auch an entsprechender Stelle. Niemals würde ich aber bei diesen Demos / Spaziergängern mitgehen. Dort laufen all jene, die ich oben genannt habe unter den Verschwörungstheorien. Politisch ganz anders gepolte Leute sind auch dabei – alles Menschen, mit denen mich definitiv keine gemeinsamen Ziele verbinden.

Ich wollte schon zu Beginn dieser Pandemie auf Probleme aufmerksam machen, Leute mobilisieren, die Wirtschaft nicht vergessen. Das Problem war, als ich ersuchte nicht immer auf die Regierung zu prügeln sondern konstruktiv nach Möglichkeiten zu suchen, stieß ich auf taube Ohren. Es war kein Interesse vorhanden, etwas anzugehen – wenige Ausnahmen ausgenommen. Es ging um Regierungs-Bashing – sonst gar nichts. Es gibt so viele Probleme, die aktuell nicht bedacht werden – dank diesem Sumpf an kruden Ideen, verwäscht sich das alles in einem kranken Aufbegehren, dass sich auch noch ständig aufstachelt. Wie schön ist die kleine Welt derer, die sich verführen lassen auf einen Schuldigen zu zeigen und damit wieder ruhig schlafen zu können.

Die folgenden Worte richten sich nicht and jene UnternehmerInnen, die um ihre Existenz kämpfen, all die KünstlerInnen die wir so sehr vermissen in ihrem Wirken, sie richten sich auch nicht an die Menschen, die sich nach der Normalität sehnen. Diese Worte sind für alle jene, die andersdenkende für dumm halten, für jene, die leugnen, dass das Virus ein Problem oder überhaupt existent ist, für jene, die der Meinung sind: „Ein paar Tote, na und?“ und natürlich für jene, die eine große Verschwörung hinter allem sehen. Ihr macht es denen, die Hilfe brauchen unmöglich mit einer Stimme zu sprechen.

Ihr seid weder das Volk noch seid ihr viele. Ihr seid laut und viele von euch verhalten sich nicht nachvollziehbar. Ihr seid Opfer der Informationsblasen. Ihr seht in eurem Feed in den sozialen Netzwerken nur mehr Menschen, die genau so denken wie ihr – diese werden für euch zu „alle anderen“ und „jeder“ und es ist falsch. Soziale Netzwerke funktionieren aber genau so, gefilterte Information nach den Vorlieben der Nutzer. Auf einer Demo trefft ihr dann weitere aus eurer Informationsblase und die Welt ist für euch in Ordnung. Von außen sieht die Sache ganz anders aus. Das Volk ist sauer denn ihr vergesst gänzlich, dass es eine Nächste und einen Nächsten gibt, die zu schützen euch zu mühsam erscheint. Das sind keine Schafe und es sind auch nicht jene, die „aufwachen“ müssen.

Nur weil jemand nicht versteht, dass bereits eine geringe Infektionsrate sehr rasch zu einem Riesenproblem werden kann, bedeutet das nicht, dass die Welt in Ordnung ist. Eine Pandemie ist nur zu bekämpfen, wenn die Zahlen gering sind – wenn sie zu hoch sind ist es zu spät. Es ist das, was auch fast alle Experten – außer jene, die vornehmlich auf Youtube ordinieren – bestätigen. Wenn es nicht genug Infektionen gibt, dass ihr es versteht, seht wenigstens, dass es noch weniger Menschen gibt, die eure Ansichten teilen, also erklärt nicht, für das Volk zu sprechen.

Was können wir wirklich tun?

Zusammenhalten. Wir haben das gezeigt vor einem Jahr, wir haben deutlich gemacht, wie Österreich einen Virus bekämpft, wenn es zusammensteht. Die Spaltung, die gerade auch noch von einer Oppositionspartei vorangetrieben wird, hindert uns. Die Demos sind Quelle weiterer Ansteckungen und falls es wirklich zu einem Bruch der Regierung kommt, wird die Sache sehr dramatisch. Niemand muss jetzt weg, das letzte was wir nun brauchen könnten wäre ein kopfloses Land  – zur Rechenschaft zu ziehen sind ALLE, die etwas getan haben, was uns zum Nachteil gereicht, nachdem die Sache durch ist. Aktuell gilt es Leben zu schützen und genau das versuchen die Regierungen in Europa und dem Großteil der Welt.